Songbird – Der All-In-One-Mediaplayer-Browser
Der Beitrag wurde von Frank geschrieben und unter Programmvorstellung abgelegt.
Eine der erste Vorstellungen in unserem Blog, um welches ich mich primär kümmern werde, ist Songbird.
Der Singvogel will eine Open Source All-in-One-Media-Lösung sein, die sich rein optisch an den populären iTunes Media Player anlehnt. Auf technischer Basis beruht der Player auf dem ebenfalls Open Source Video Player VLC (Video Lan Client), XUL (Technologie der Mozilla Foundation, angewendet auch im Browser Firefox und im E-Mail- und Newsgroup-Client Thunderbird) und GStreamer (ein freies Multimedia-Framework). Lauffähig und entwickelt ist dieser für Windows, Mac OS X, Linux und Solaris. Songbird wird heute von einer Gruppe von Designern und Entwicklern betreut die sich zum Ziel gesetzt haben einen frei veränderbaren Media-Player zu erstellen. Und das diese Leute etwas von ihrem Handwerk verstehen ist nicht nur am derzeitigen Entwicklungsstand zu sehen. Nein, einige von diesen haben in der Vergangenheit an Winamp, Yahoo! Music Jukebox und Mozilla Firefox mitgearbeitet. Was hat nun aber Songbird mit Kommunikation zu tun werdet ihr euch fragen? Ein kleiner Umriss:
Funktionalität
Songbird ist bei genaueren hinschauen mehr als nur ein einfacher Musik-Player. Das Programm ist eine Musikstation im Web-2.0-Format. Es spielt an Audioformaten von vornherein alles ab, was gängig ist und zur heutigen Regel gehört (MP3, FLAC, OGG Vorbis, AAC, WMA). Zusätzlich lassen sich Formate, die es nicht Standardmässig dabei gibt, als Add-On (Erweiterung) zum einbinden, was Mozilla-typisch kinderleicht von der Hand geht. Womit wir bei einem der größten Pluspunkte des Programms wären. Immer wieder sind es diese Add-Ons. Im Grunde kann man ja sagen, dass eben gerade diese Funktion die Mozilla-Produkte so vielseitig und individuell machen, was daraus schließend ihren Beliebtheitsgrad ausmacht. Anstatt für alle Benutzer eine Version bereitzustellen, die womöglich für die meisten Nutzer an Funktionen überfüllt ist , wird auch Songbird erst mit allen Grundfunktionen ausgestattet und kann später vom Benutzer selbst nach seinen Wünschen individualisiert werden. Über diese Add-Ons ist es aber auch möglich dem Singvogel verschiedenartige Aussehen (Skins) zu geben. Wenn einem also der Standardmässig graue Ton – der übrigens noch mehr an ITunes erinnert – nicht gefällt kann man frei nach belieben lieber eine komplett Schwarze Oberfläche geben, oder ihm einen Rotton verpassen. Auf diese Weise lassen sich aber eben auch viele Features wie das sehr beliebte SHOUTcast in den Player integrieren. SHOUTcast erlaubt es Online-Radio-Stationen per Stream abzuspielen. Eine Übersicht über die derzeit verfügbaren Add-Ons und Skins wird in einem der nächsten Einträge mit behandelt werden.
Viele Leute Suchen ja verzweifelt nach einer Medienverwaltung die auch das bespielen eines iPods ermöglicht. Da ist die derzeitige Open-Source Szene leider noch etwas rar gesäht mit. Es gibt kaum Alternativen zu dem hauseigenen iTunes. Hier kommt dann übrigens wieder Songbird ins Spiel, der es tatsächlich versteht per Add-On (natürlich!) dies für einen zu übernehmen. Er verfügt über eine zentrale Musikbibliothek die ebenfalls durch Erweiterungen an das eigene belieben angepasst werden kann. Hier gibts dann auch die Möglichkeit ID3-Tags zu ändern und seit Version 1.1 auch den Album-Fetcher, der einem mit einem Knopfdruck alle Album-Cover aus einer Datenbank (Standardmässig: last.fm) lädt.
Eine Funktion die ebenfalls erst in dem letzten großem Update hinzukam ist die “Watch Folder”-Funktion, d.h. gibt man einfach den Link zu seiner Musikbibliothek ein und Songbird erkennt automatisch jegliche Änderungen die durch den Benutzer in eben dieser unternommen wurde.
Was ihn jetzt von anderen Musik-Playern dieser Art abhebt und weswegen man ihn auch als einen ‘Mediaplayer-Browser’ bezeichnen kann, ist die Tatsache, dass er tatsächlich auch als komplett funktionstüchtigen Browser verwenden kann.
Aufbau
Songbird baut sein System ebenfalls ähnlich dem des iTunes-Players auf. Anders als dieser kann man die Oberfläche jedoch nach eigenem belieben einrichten und verändern. Heißt also: Man kann Boxen entfernen, anders anordnen, quasi das komplette Interface ändern. Die AddOns werden in eben diese Boxen mit ein, zwei Mausklicks eingebaut. Ansonsten inst der Aufbau sehr einfach zu verstehen und sollte niemanden vor Probleme stellen.
Leistung
Ein Leistungsmerkmal, welches vor allem in den ersten Versionen bis zum Final Release (1.0) bestand, war der immens hohe Speicherbedarf des Vogels. So war er nach knapp 4 Stunden Non-Stop Musik hören bei weit mehr als 400mb an Speicherkapazität angelangt, was nicht nur für heutige Verhältnisse viel zu viel ist. Wie schon geschrieben, haben die Entwickler seit der Version 1.0 einige Fortschritte gemacht. In der derzeit aktuellsten Version nimmt Songbird knapp 70-80mb ein, was im Gegensatz zu vergleichbaren Programmen wie Media Monkey (20-30mb) zwar noch nach mehr aussieht, aber im Vergleich zu älteren Versionen quasi eine Traumquote ist.

Kritik
Was lässt sich nun noch negatives sagen? Nun Songbird wird eine gewisse Instabilität nachgesagt die ich bestätigen kann. So kommt es nun leider ab und zu vor das sich das Programm aufhängt und nur mit dem Affengriff (ALT + STRG + ENTF) wieder schließen lässt. Weiterhin wird die enorme, oben schon erwähnte, Speichernutzung bemängelt. Diese verbessert sich wohl mit jeder Version etwas ist aber immer noch im Gegensatz zu der Konkurrenz viel zu hoch. Wenn man sich da Programme wie Media Monkey oder Foobar 2000 ansieht ist noch einiges an Arbeit zu verrichten. Weiterhin ist das Programm noch sehr schwerfällig wenn man mit großen Musik-Datenbanken arbeitet. Meine eigene bei rund 15.000 macht ihm zum Vergleich schon einige Arbeit. Der letzte Punkt den sich die Entwickler aber auf die Fahne zu schreiben haben ist die Tatsache, dass sie zu viel wollen und zu wenig auf das schon existierende aufbauen. Was ich meine? Ganz einfach die Pläne (siehe nächster Punkt) sind zwar interessant, doch sollten sich alle Kräfte auf die aktuellen Schwachpunkte konzentrieren. Und das heißt zusammengefasst Performance, Performance, Performance. Neue Funktionen werden so oder so wieder Leistung fressen, dies sollte man stoppen. Meine diesbezüglichen Bemühungen wurden zumindest in der Roadmap der nächsten Versionen mit aufgenommen. Sie soll Teil einer jeden zukünftigen Version sein. Hoffen wir das beste.
Zukunft
Die Zukunft wird wie schon erwähnt durch viele weitere Ergänzungen und Erweiterungen geprägt sein. Man möchte in den nächsten Versionen, die dieses Jahr noch erscheinen sollen, Video-Support, CD-Ripping (Audiograbber like) und Podcast-Support fest einbauen. Weitere Unterstützung für Musik ala neue Codecs sind nicht geplant. Eine Tag-Funktion soll ebenfalls bald möglichst mit eingebaut werden. Die Entwicklung sieht vielversprechend aus, auch wenn man viele Funktionen einfach per AddOn mit einbinden sollte und nicht fest. Damit ist gewährleistet, dass jeder seine Lieblingsfunktion im Programm findet, aber nicht Sachen die man auch nicht braucht. Das wäre für mich der praktischste Weg.
Fazit
Songbird hat eine lange Entwicklungszeit hinter sich. Doch die Phase in der es als Performancefresser und schlechte Alternative benannt wurde ist vorbei. Songbird ist eine sehr ausgewachsene Musik-Software geworden, die vor allem wegen der guten, individuell erweitbaren Internet- und Musikfeatures begeistert. Die Zukunft sieht rossig aus, die Ausblicke, allen voran der automatisierte IDE3-Tagger, der CD-Rip, die Video-Upgrades und der Ausbau der verfügbaren Radiostationen lassen auf eine eierlegende Wollmilschsau schließen die uns da noch erwartet. Wenn es die Entwickler schaffen alles nicht allzu sehr zu überladen, die Performance darunter nicht leidet, dann kann hier etwas ganz besonderes seiner Art entstehen.
Weblinks
Tags: Mediaplayer, Songbird
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Am 27. August 2009 um 16:51 Uhr
Super Seite mit super Themen, gemacht von super Leuten. Dank euch, Frank und Gabriel, wird die OpenSource-Branche mit all ihren Neuerungen für jeden klar dargestellt. Der eine oder Andere, so auch ich, als ich die Vorstellung von “Songbird” las, wird so auf noch unbekannte Programme aufmerksam. Die Seite ist eine tolle Sache, im tollem Design! Weiter so…
Euer David aus dem BSZ DD.
Am 27. August 2009 um 16:59 Uhr
Firma dankt!
Ich denke, wenn ich für beide spreche, dass wir unser möglichstes Versuchen werden den eigens gestellten Ansprüchen gerecht zu werden. Letztendlich soll es doch Spaß machen, für Leser und Autor. Das ist das wichtigste. Beiträge wie von dir David haben daran einen großen Anteil.
Sei gespannt auf die nächsten Einträge =)